Matthias Staubach: Welche Rolle spielt Design in autonomen industriellen Systemen?

Shownotes

In dieser Episode von Design Perspectives geht es um eine zentrale Frage aktueller Systemgestaltung: Welche Rolle spielt Design, wenn Systeme zunehmend autonom handeln und gleichzeitig menschliche Entscheidungen weiterhin entscheidend bleiben? Host Philipp Thesen spricht mit Matthias Staubach, Head of User Experience Siemens Smart Infrastructure Buildings Products, über UX in sicherheitskritischen Infrastrukturen, in denen Hardware, Software und Daten eng miteinander verzahnt sind. Anhand von Beispielen aus den Bereichen Smart Buildings und Fire Safety wird deutlich, dass Design hier weit über Interface-Gestaltung hinausgeht: Es strukturiert komplexe Entscheidungsprozesse und trägt dazu bei, dass Systeme auch unter realen Bedingungen verständlich und zuverlässig bedienbar bleiben.

Vier Takeaways:

  1. Design für sicherheitskritische Systeme: Einfachheit unter realen Risikobedingungen Die Systeme, an denen Siemens arbeitet, etwa im Bereich Fire Safety, sind hochkomplex und werden von sehr unterschiedlichen Nutzergruppen bedient: von Techniker*innen über Facility Manager bis hin zu Laien im Ernstfall. Design bedeutet hier nicht Vereinfachung im klassischen Sinne, sondern die Reduktion von Komplexität unter realen Risikobedingungen. Entscheidend ist, dass Nutzer auch unter Stresssituationen verstehen, was zu tun ist – und welche Konsequenzen ihre Entscheidungen haben.

  2. UX als Systemdesign: zwischen Hardware, Daten und Infrastruktur Im industriellen Kontext ist UX untrennbar mit physischen Produkten verbunden. Sensoren erzeugen kontinuierlich Daten, die über Cloud-Systeme und Anwendungen verfügbar gemacht werden. Design gestaltet diese Zusammenhänge und sorgt dafür, dass Informationen im richtigen Moment zugänglich sind. UX wird damit weniger zur Gestaltung einzelner Interfaces als zur Orchestrierung komplexer Systeme.

  3. KI als Beschleuniger – aber nicht als Ersatz für Design und Domänenwissen Künstliche Intelligenz verändert die Entwicklung industrieller Systeme grundlegend, wirkt in diesem Kontext jedoch vor allem als Beschleuniger, nicht als Ersatz für Gestaltung. Entscheidend bleibt das Domänenwissen: Nur wer versteht, wie Systeme tatsächlich genutzt werden, kann sinnvolle Lösungen entwickeln. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt dabei weniger in der Technologie selbst als in der Qualität und Nutzung der verfügbaren Daten.

  4. Autonome Systeme brauchen Vertrauen: Human in the Loop bleibt zentral Auch mit zunehmender Automatisierung bleibt der Mensch entscheidend – insbesondere dort, wo Konsequenzen bewertet werden müssen. Konzepte wie „Human in the Loop“ (aktive Entscheidung) und „Human on the Loop“ (reines Monitoring) zeigen, wie sich die Rolle des Menschen verschiebt. Während Systeme zunehmend eigenständig handeln, wird Design zum entscheidenden Faktor dafür, Vertrauen, Kontrolle und Transparenz sicherzustellen.

🗣 Gast: Matthias Staubach – Head of User Experience Siemens Smart Infrastructure Buildings Products LinkedIn: http://www.linkedin.com/in/matthiasstaubach 🗣 Host: Philipp Thesen – Designer, Strategieberater und Professor für Mensch-System-Interaktion an der Hochschule Darmstadt

🔗 Weiterführende Links: Siemens: https://www.siemens.com/ Siemens Smart Infrastructure: https://www.siemens.com/smart-infrastructure

🎧 Design Perspectives – der Podcast des German Design Council. Wie können wir Design als Hebel für Transformation und wirtschaftlichen Erfolg nutzen? Darüber sprechen wir mit Persönlichkeiten aus Design, Markenführung und Architektur. Sie geben Einblicke, wie Transformation, Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg im Unternehmen Hand in Hand gehen können. Interessant, informativ, inspirierend.

Kapitel: 00:00 – Einführung und Vorstellung Matthias Staubach 01:40 – Smart Infrastructure: Produkte zwischen Hardware und Software 03:40 – Nutzergruppen und Anforderungen in sicherheitskritischen Systemen 06:30 – UX jenseits von Consumer Tech: Einfachheit und Konsequenzen 07:00 – Automatisierung und die Rolle des Menschen 10:30 – Das autonome Gebäude: Szenarien und Funktionsweise 13:00 – Daten als Grundlage für Industrial AI 15:50 – KI, Domänenwissen und die Grenzen der Automatisierung 18:00 – Wo findet UX in autonomen Systemen statt? 19:30 – Aufbau und Rolle des globalen UX-Teams 21:40 – Interfaces, Designsysteme und regulatorische Anforderungen 24:00 – Warum Domänenwissen Design unersetzlich macht 27:45 – Anforderungen an zukünftige Designer 31:00 – Design-Belief: weniger Interfaces, mehr Wirkung 35:00 – Fazit und Abschluss

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